Archiv für den Monat Februar 2026

Die erste große Retrospektive Ausstellung von Marina Abramović in Österreich.

Eine Retrospektive, die unter die Haut geht Performance-Kunst zum Anfassen – und Miterleben

läuft noch bis 1. März 2026 in der ALBERTINA MODERN  Karlsplatz

02/2026/Vie/MJpress: Die erste große Marina-Abramović-Retrospektive Österreichs in der ALBERTINA MODERN am Karlsplatz. Wer denkt, Performance-Kunst sei nur etwas für Eingeweihte, wird hier eines Besseren belehrt. Die Schau ist ein Erlebnis, das alle Sinne fordert – und die Besucher/innen mitten hineinzieht in die Welt einer der radikalsten Künstlerinnen unserer Zeit.

Warum Wien?

Wien hat eine lange, oft provokante Tradition der Performance-Kunst: Der Wiener Aktionismus der 1960er–70er (Hermann Nitsch, Otto Muehl, Günter Brus, Rudolf Schwarzkogler) schockierte mit körperbezogenen Tabubrüchen und gesellschaftlicher Provokation. VALIE EXPORT, Pionierin des feministischen Aktionismus, hinterfragte mit Werken wie „Tapp und Tastkino“ oder „Aktionshose: Genitalpanik“ patriarchale Strukturen. Später setzte Wolfgang Flatz in den 1970er–90er Jahren autoaggressive Inszenierungen um, die Body-Art und Pop-Art verbanden.

Doch Performance-Kunst bleibt für viele irritierend – und genau das macht den Besuch der Abramović-Schau so spannend. Hier wird man nicht nur Zuschauer/in, sondern Teil des Kunstwerks.

Eintritt in eine andere Welt

Schon beim Betreten der Ausstellung überrascht die Vielfalt des Publikums: alle Generationen, alle Nationen. Projektionen, Geräusche, Exponate – alles wirkt zunächst fremd, fast beunruhigend. Doch schnell beginnt man, sich mit den Texten, den Inhalten, den Performances auseinanderzusetzen. Plötzlich versteht man, denkt mit, interpretiert.

Live nachgestellte Performances – eine nackte Frau, schwebend an der Wand, eine andere, liegend mit einem Skelett auf sich – wirken intensiv und unmittelbar. Natürliche Kraftfelder aus Steinen laden zum eigenen Erleben ein. Die Kunst wird zum körperlichen und emotionalen Erlebnis.

Einziger Wermutstropfen: Die ständigen Ermahnungen der Security wegen Handyaufnahmen!.

Ist es nicht ein Zeichen unserer Zeit, dass wir Erlebnisse digital festhalten und so weitergeben wollen? Vielleicht könnte die Kunst gerade dadurch noch mehr Menschen erreichen.

Marina Abramović: Die Begründerin der modernen Performance

Geboren 1946 in Belgrad (YU/SRB), begann Abramović ihre Karriere in den 1970ern und prägte die Performance-Kunst wie keine andere. Ihre legendären Auftritte – etwa die Langzeitperformance „The Artist Is Present“ (2010 im MoMA) – machten sie weltweit bekannt. In Wien trat sie bereits 1978 auf.

Die Retrospektive zeigt ihre Entwicklung: von frühen Arbeiten in Belgrad über die Zusammenarbeit mit Ulay bis zu Soloperformances, die Grenzen ausloten – körperlich, emotional, spirituell. Die Ausstellung ist in Themenräume gegliedert: Partizipation, Kommunismus, Körpergrenzen, Energie aus der Natur, Erleuchtung. Zu sehen sind frühe Performances, gemeinsame Werke mit Ulay, die preisgekrönte „Balkan Baroque“ (Goldener Löwe, Venedig 1997) und neuere Videoarbeiten.

Besonders spannend: Die Besucherinnen sind eingeladen, selbst in die Rolle von Performer/innen zu schlüpfen. Kunst wird hier nicht nur betrachtet, sondern gelebt.

Ein Muss für alle, die Kunst anders erleben wollen

Die Retrospektive ist mehr als eine Ausstellung – sie ist eine Einladung, sich auf Unbekanntes einzulassen, Grenzen zu hinterfragen und Kunst mit allen Sinnen zu begreifen. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, wird belohnt: mit neuen Perspektiven, intensiven Erlebnissen und der Erkenntnis, dass Performance-Kunst nicht nur provokant, sondern auch zutiefst menschlich ist.

Mehr erfahren:

  • Einblick in die Ausstellung mit Kuratorin Bettina Busse: Video-Link
  • Marina Abramović über ihr Leben und ihre Vision: Video-Link

Fazit: Wer die Chance hat, sollte sie nutzen – die Abramović-Retrospektive in der ALBERTINA MODERN ist ein Kunstereignis, das noch lange nachhallt. Bis 1. März 2026!