Das Josephinum zeigt die ambivalente Geschichte der modernen Medizin
Wien – Das über-renovierte Josephinum-Museum verbindet erstmals die glanzvollen anatomischen Wachsmodelle des 18. Jahrhunderts mit Gustav Klimts revolutionären Medizin-Bildern. Ein ehrgeiziger Versuch, zwei Epochen zusammenzudenken – mit bescheidenem Erfolg.
Der Körper als offenes Buch
Das Josephinum, 1785 unter Kaiser Joseph II. gegründet, beherbergt eine der wertvollsten medizinischen Sammlungen Europas: anatomische Wachsmodelle aus Florenz von erschreckender Präzision. Sie verkörpern den Aufklärungsglauben, dass der menschliche Körper vollständig erforschbar und kontrollierbar ist. 
Diese Sammlung machte Wien zur Heimat der weltberühmten Wiener Medizinischen Schule. Namen wie Rokitansky und Billroth stehen für eine Medizin, die Europa veränderte – eine Medizin der Vermessung, der Ordnung, des Fortschritts.
Die Gegenwart des Zweifels
Mehr als hundert Jahre später sollte Gustav Klimt diesem wissenschaftlichen Optimismus frontal widersprechen. Sein Fakultätsbild „Medizin“ (entstanden um 1900) zeigte keine triumphierende Wissenschaft, sondern ein düsteres Panorama: nackte, leidende Körper treiben durch dunkle Räume – Krankheit, Alter, Tod. Hygieia, die mythologische Heilsgöttin, steht distanziert und hilflos.
Das Bild löste einen Skandal aus. Klimt stellte die fundamentale Frage, die die Medizin bis heute beunruhigt: Kann Wissenschaft den Menschen wirklich retten – oder bleibt er dem Schicksal ausgeliefert?
Zwei Welten in einer Ausstellung
Die aktuelle Ausstellung am Josephinum versucht, diese Pole zusammenzuführen: hier die rationale Vermessung des Körpers, dort die existenzielle Verunsicherung des modernen Menschen. Ein konzeptionell reizvoller Gedanke.
Doch in der Umsetzung zeigt sich die Schwierigkeit: Zwar wird deutlich, dass beide – die anatomischen Modelle und Klimts Gemälde – eine epochale Neubestimmung des Menschseins dokumentieren. Die Ausstellungsarchitektur und Lichtregie vermögen es jedoch nicht wirklich, diese Verbindung zu erzählen. Der Versuch wirkt fragmentarisch, die Brücke bröckelt. Vielleicht ist es auch der Überrenovierung geschuldet, die dem ehrwürdigen Josephinum ein bisschen zu viel „Patina“ entfernt hat
.
Trotzdem lohnenswert
Doch gerade diese Spannung ist es wert, sich intensiv damit auseinanderzusetzen. Denn Wien um 1900 war tatsächlich das Laboratorium einer modernen Existenz: Freud erforschte die Psyche, die Secession zerbrach mit Schönheitsidealen, und Künstler wie Klimt stellten die Heilsversprechen der Wissenschaft radikal infrage.
Das Josephinum vermittelt diese Geschichte – wenn auch imperfekt – auf faszinierende Weise. Wer sich Zeit für beide Seiten nimmt, erkennt darin einen Spiegel unserer gegenwärtigen Debatten: Wie viel kann Medizin wirklich leisten? Wo liegen ihre Grenzen? Was bleibt menschlich im Zeitalter von KI und Biotechnologie?
Fazit: Das renovierte Josephinum präsentiert ein spannendes Nebeneinander von wissenschaftlicher Präzision und künstlerischer Unsicherheit. Wer sich auf das Experiment einlässt, wird mit tieferen Fragen belohnt – auch wenn die Ausstellung diese nicht vollständig zu beantworten vermag. Eine Ausstellung, die Besuch verdient – trotz ihrer Schwächen.
Josephinum – Museum der Geschichte der Medizin Währingerstraße 25, 1090 Wien
Öffnungszeiten: Mittwoch–Sonntag: 10:00–18:00 Uhr Donnerstag: 10:00–20:00 Uhr Noch bis: 28. Juni 2024
Fotos: MA Jakob/MJpress



















Das „Museum Niederösterreich -Haus der Geschichte“ präsentiert seit September 2017 Inhaltliches von den ersten menschlichen Siedlungen im heutigen Niederösterreich bis in die Gegenwart. Als Österreichs „Kernland“ will Niederösterreich die Geschichte im zentraleuropäischen Raum im „Lokalkontekt“ begreifbar machen. Zum „Haus der Geschichte Österreich“ in Wien gibt es Unterschiede dort wird ab November 2018, also fast zum Ende des Gedenkjahres, die Geschichte ab Mitte des 19. Jahrhunderts dominieren.
Anerkennend ist die Kurzthematisierung nach dem 2. Weltkrieg der Vertriebenen „Deutschsprachigen“ etwa ein Kinderwagen vom „Brünner Todesmarsch“ 1945 nach Kriegsende (neben einem, den syrische Flüchtlinge 2015 im burgenländischen Nickelsdorf verwendeten: ein etwas „hinkender“ Vergleich, welcher lediglich die Transportmittel einst und jetzt veranschaulichen will) zu erwähnen, allerdings wurde leider nicht näher darauf eingegangen, auch nicht aus der Sicht des wirtschaftlichen Aufbaubeitrages der Vertriebenen, auch für Niederösterreich.
Ersten Republik gelegt. (Bis 09. Februar fanden kleine Adaptierungs-arbeiten statt). Detailliert und vielschichtig ist das sensible Thema „Ständestaat“ aufbereitet, die Debatte um den Begriff „Austrofaschismus“ von allen Seiten mit Zitaten aus Wissenschaft und Politik beleuchtet, die sich um das umstrittene Porträt von Diktator und Nazi-Opfer Engelbert Dollfuß gruppieren. (Das Bild hing bis zur Parlamentssanierung im ÖVP- Parlamentsklub und ist nun eine Leihgabe an das Haus der Geschichte NÖ).
Erschreckend, untergriffig und ungemein pointiert erklärt die Auswahl der Wahlplakate der Zwischenkriegszeit die Feindseligkeit zwischen den großen politischen Gruppierungen. Derart radikale negative untergriffige und suggestive Wahlkämpfe hielt man mehrfach für überwunden.
Dennoch symptomatisch Österreich hat gleich zwei Museen mit „bundesrepublikanischer“ Geschichte Österreichs in neuerer Zeit. Die relativierten Geschichtsinterpretationen von SPÖ, ÖVP inkl. „normative Kräfte des Faktischen“ (Alliierte und EU), welche offensichtlich noch lange nicht auf ein akzeptables Narrativ – nicht nur zum Thema „Ständestaat“ kommen – trotz aufarbeitender Gestaltungen durch hochkarätige Historiker. Dies drückt sich aus beim nur kurzem „anstreifen“ von heiklen Themen oder gar durch „weglassen“ von Facetten welche offensichtlich aus Sicht des heutigen Mainstreams – noch immer nicht – gesellschaftlich offen ausdiskutierbar sind oder anders gesagt, es fehlt noch immer ein gewisser Mut zur Wahrheit aus damaliger und heutiger Sicht. Diese Diskrepanz zeigt sich heute auch teilweise im politischen Geschehen Österreichs, wie auch teilweise in den offiziellen Veranstaltungen im Gedenkjahr 2018, wo manche seinerzeit leidtragende Gruppen und deren Zeitzeugen nicht vorkommen.
Ein Vortrag über den Kunstnachlass WIN bot Augen- und Ein- Blicke in das Werk und den Menschen Prof. Winnie Jakob, die einzige anerkannte österr. Karikaturistin ihres Genres. Generationen, die ihr Wirken kannten, entdeckten Teile des Werkes sowie seltenes und erstmalig gesehenes wieder. Jüngere Generationen waren vom erstmaligen Einblick in WIN Werke begeistert.
„…Ja ich erinnere mich an die Blume im I von WINNIE beim Kasperl im ORF…, schön dies wieder zu entdecken …“,
„Die Gegenüberstellung gezeichneter Persönlichkeiten und Fotos zeigte einerseits beeindruckend die Schärfe und Präzision des analytischen eigenen Striches von WIN andererseits unvergessliche Größen aus Film, Theater, Oper und Festspiel Szene, faszinierend!…“