Zum Tod der österreichischen Schauspielerin Erni Mangold (1927–2026)
Mangold, 1927 in Großweikersdorf (NÖ) geboren, debütierte 1946 an der Josefstadt — und verabschiedete sich sieben Jahrzehnte später genau dort, 2017 mit Harold und Maude, von der Bühne. Dazwischen lagen über 130 Film- und Fernsehproduktionen, prägende Jahre am Deutschen Schauspielhaus Hamburg unter Gustaf Gründgens, und eine Professur, die Generationen junger Schauspielerinnen und Schauspieler formte. Sie nannte sich selbst ein „Theatervieh“ — und meinte das als höchstes Kompliment.
Was Mangold von vielen ihrer Zunft unterschied, war eine Widerborstigkeit, die nie zur Pose geriet. Ihr Witz war trocken, ihr Blick klar, ihre Präsenz körperlich und unausweichlich. Wer ihr begegnete — auf der Bühne wie im Leben — wusste, dass hier jemand stand, den man nicht hinlegen konnte, wie sie selbst einmal formulierte. Sie war auch eine der ersten Frauen in Österreich welche den Mißbrauch (in jeglicher Form !) von Frauen in der Kulturszene aufzeigte, thematisierte und stets bekämpfte.
Karikatur Winnie Jakob
Zu jenen, die Erni Mangold auf ihre eigene Weise gewürdigt haben, zählt auch die Wiener Karikaturistin Prof. WINnie Jakob. In einer ihrer Arbeiten hielt sie das Unverwechselbare dieser Künstlerin mit wenigen Strichen fest: die aufrechte Haltung, den unbestechlichen Blick, das leise Lächeln einer Frau, die sich nie um Beifall scherte, solange die Wahrheit stimmte. Eine Karikatur als Hommage — und als Beweis dafür, dass manche Persönlichkeiten so stark sind, dass selbst die Übertreibung nichts hinzufügt, was nicht ohnehin schon da war.
Erni Mangold ist gegangen. Aber die Figuren, die sie erschaffen hat, und die Haltung, die sie verkörperte, bleiben — in den Archiven, in den Erinnerungen, und in jenen Bildern, die Künstlerinnen wie Prof. WINnie Jakob von ihr bewahrt haben.
Eine Retrospektive, die unter die Haut gehtPerformance-Kunst zum Anfassen – und Miterleben
läuft noch bis 1. März 2026 in der ALBERTINA MODERN Karlsplatz
02/2026/Vie/MJpress: Die erste große Marina-Abramović-Retrospektive Österreichs in der ALBERTINA MODERN am Karlsplatz. Wer denkt, Performance-Kunst sei nur etwas für Eingeweihte, wird hier eines Besseren belehrt. Die Schau ist ein Erlebnis, das alle Sinne fordert – und die Besucher/innen mitten hineinzieht in die Welt einer der radikalsten Künstlerinnen unserer Zeit.
Warum Wien?
Wien hat eine lange, oft provokante Tradition der Performance-Kunst: Der Wiener Aktionismus der 1960er–70er (Hermann Nitsch, Otto Muehl, Günter Brus, Rudolf Schwarzkogler) schockierte mit körperbezogenen Tabubrüchen und gesellschaftlicher Provokation. VALIE EXPORT, Pionierin des feministischen Aktionismus, hinterfragte mit Werken wie „Tapp und Tastkino“ oder „Aktionshose: Genitalpanik“ patriarchale Strukturen. Später setzte Wolfgang Flatz in den 1970er–90er Jahren autoaggressive Inszenierungen um, die Body-Art und Pop-Art verbanden.
Doch Performance-Kunst bleibt für viele irritierend – und genau das macht den Besuch der Abramović-Schau so spannend. Hier wird man nicht nur Zuschauer/in, sondern Teil des Kunstwerks.
Eintritt in eine andere Welt
Schon beim Betreten der Ausstellung überrascht die Vielfalt des Publikums: alle Generationen, alle Nationen. Projektionen, Geräusche, Exponate – alles wirkt zunächst fremd, fast beunruhigend. Doch schnell beginnt man, sich mit den Texten, den Inhalten, den Performances auseinanderzusetzen. Plötzlich versteht man, denkt mit, interpretiert.
Live nachgestellte Performances – eine nackte Frau, schwebend an der Wand, eine andere, liegend mit einem Skelett auf sich – wirken intensiv und unmittelbar. Natürliche Kraftfelder aus Steinen laden zum eigenen Erleben ein. Die Kunst wird zum körperlichen und emotionalen Erlebnis.
Einziger Wermutstropfen: Die ständigen Ermahnungen der Security wegen Handyaufnahmen!.
Ist es nicht ein Zeichen unserer Zeit, dass wir Erlebnisse digital festhalten und so weitergeben wollen? Vielleicht könnte die Kunst gerade dadurch noch mehr Menschen erreichen.
Marina Abramović: Die Begründerin der modernen Performance
Geboren 1946 in Belgrad (YU/SRB), begann Abramović ihre Karriere in den 1970ern und prägte die Performance-Kunst wie keine andere. Ihre legendären Auftritte – etwa die Langzeitperformance „The Artist Is Present“ (2010 im MoMA) – machten sie weltweit bekannt. In Wien trat sie bereits 1978 auf.
Die Retrospektive zeigt ihre Entwicklung: von frühen Arbeiten in Belgrad über die Zusammenarbeit mit Ulay bis zu Soloperformances, die Grenzen ausloten – körperlich, emotional, spirituell. Die Ausstellung ist in Themenräume gegliedert: Partizipation, Kommunismus, Körpergrenzen, Energie aus der Natur, Erleuchtung. Zu sehen sind frühe Performances, gemeinsame Werke mit Ulay, die preisgekrönte „Balkan Baroque“ (Goldener Löwe, Venedig 1997) und neuere Videoarbeiten.
Besonders spannend: Die Besucherinnen sind eingeladen, selbst in die Rolle von Performer/innen zu schlüpfen. Kunst wird hier nicht nur betrachtet, sondern gelebt.
Ein Muss für alle, die Kunst anders erleben wollen
Die Retrospektive ist mehr als eine Ausstellung – sie ist eine Einladung, sich auf Unbekanntes einzulassen, Grenzen zu hinterfragen und Kunst mit allen Sinnen zu begreifen. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, wird belohnt: mit neuen Perspektiven, intensiven Erlebnissen und der Erkenntnis, dass Performance-Kunst nicht nur provokant, sondern auch zutiefst menschlich ist.
Mehr erfahren:
Einblick in die Ausstellung mit Kuratorin Bettina Busse: Video-Link
Marina Abramović über ihr Leben und ihre Vision: Video-Link
Fazit: Wer die Chance hat, sollte sie nutzen – die Abramović-Retrospektive in der ALBERTINA MODERN ist ein Kunstereignis, das noch lange nachhallt. Bis 1. März 2026!