Mode ist weit mehr als eine Frage des Geschmacks. Farben und Schnitte spiegeln gesellschaftliche Normen, Machtverhältnisse und kulturelle Entwicklungen wider und ihre Bedeutung verändert sich laufend. Genau diesem Themenkreis widmet sich „Farbenspiel. Mode aus vier Jahrhunderten“.
Nein es ist kein 2nd Hand Shop!
Das Wien Museum hütet eine der größten Modesammlungen der Welt (rund 25.000 Objekten). Man sieht nicht nur Damen- und Herren-Oberbekleidung, sondern auch Unterwäsche und Hüte, Schuhe und Schirme, auch einmal ein Beauty-Case, Handtaschen und Schals, selbst Spazierstöcke und was an Accessoires noch zur „Mode“ im weitesten Sinn zählt wie z.B. Geldkatze oder Masken für den Ball.

Regina Karner und Michaela Lindinger, ehemalige und gegenwärtige Hüterin dieser Wiener Modesammlung, deren Bestände bis ins 18. Jahrhundert zurückreichen, wissen, wie man Mode gemeiniglich ausstellt, Allerdings in den Schränken des Museums hängt die Mode nach Farben geordnet – und das wurde zum Ausgangspunkt ihrer derzeitigen Modeausstellung, die Konventionelles ebenso zeigt wie Progressives.
350 Objekte wurden aus dem Fundus ausgewählt. Quasi in Farb „Inseln“, Rot Grün, Gelb, Blau, Schwarz, Weiss/silber und Bunt stehen die Kleidungsstücke entsprechend geordnet, ein Zusammenspiel, da sich viele Epochen hier treffen und man Entwicklungen sieht, vor allem bei der Damenmode. Manche Besucherin wird Stücke sehen, die man heute nicht mehr tragen würde, das „kleine Schwarze“ ist allerdings ewig. Es ist ein Nostalgie- und ein Übersichts-Trip, nicht nur Alltag, sondern auch atemberaubend schöne Stücke, die die Ausstellung schlechtweg zum ästhetischen Vergnügen machen. Und immer wieder haben die Kuratorinnen – etwa mit origineller Kinder- oder Sportkleidung – auch Pointen gesetzt.
Zu sehen sind unter anderem ein Kleid der Flöge-Schwestern aus dem Jahr 1905, ein Maturakleid aus dem Kriegsjahr 1944 sowie eine Schnürbrust aus dem 18. Jahrhundert. Eine der vielen kulturhistorischen Besonderheiten der Ausstellung betrifft die Bedeutung der Farben.
Was Farben zur Geschichte erzählen: Ein gelbes Kleid begrüßt die Besucher konzeptionell – Gelb war stets eine belastete Farbe, seit man sie nicht mehr mit königlichem Gold assoziierte, sie vielmehr den Außenseitern zuschob. Heute strahlt Gelb in der Variation Orange wieder positiver – ein Beispiel dafür, wie sehr Farben erstens Aussagen tätigten und zweitens ihre Bedeutung ändern konnten. Leider nicht erwähnt ist das Gelb z.B. in China dem Kaiser vorbehalten war auch hier etwas zur Farbenlehre
Wer auf der Jagd auf Promis ist, wird auch hier fündig, von einem Festkleid mit Schleppe der Kaiserin Elisabeth bis zu dem teuren Helmut-Lang-Anzug von Falco, der in die Nässe geriet und in den Hosen einging… Auch bei den Herrn Mode Elemente welche heute nicht mehr tragbar wären….

MA Jakob Bilder: (c) WINart/MA Jakob 2026
WIEN MUSEUM Karlsplatz Sonderausstellung bis zum 28. März 2027
Dienstag, Mittwoch, Freitag, 09:00–18:00 Donnerstag, 09:00–21:00
Samstag und Sonntag, 10:00–18:00 Geschlossen: 25.12.2026, 1.1.2027,
Freier Eintritt für alle unter 19 Jahren und jeden ersten Sonntag im Monat.
